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Kulinarisches Burgenland
Ganz konträre
Einflüsse verschiedener Kulturen prägen das kulinarische Burgenland. Das
zweitgrößte Weinland Österreichs,
die Kelten haben vor 2700 Jahren hier mit Weinbau begonnen, der von den
Römern fortgeführt wurde, ist erst seit 1921 österreichisches
Bundesland.
Keine andere
österreichische Region wurde durch die Geschichte derart unterschiedlich
geprägt wie das Burgenland. Das hat seine Spuren auch in der kulinarischen
Entwicklung des Landes hinterlassen. Der Name für die einstige römische
Provinz Pannonia stammt nicht von den Magyaren, sondern von den "keltiserten"
Illyrern. Nach zahlreichen Kämpfen mit den Reiterhorden aus dem Osten fiel
um 800 Pannonien, dessen zum Frankenreich. Bayrische, alemannische und
slawische Siedler brachten ihre Essgewohnheiten mit. Der Spitzname
"Suppenschwaben", der den Burgenländern früher wegen ihrer Vorliebe für
Eintropf, Kraut- und Gemüsesuppen verpasst wurden lässt sich damit
erklären. Nach wiederholten Einfällen von Türken oder Ungarn ließen sich
kroatische Flüchtlinge in diesem Gebiet nieder. 1459 fiel das Land für ein
paar Jahre an Österreich wie auch in der Mitte des 17. Jahrhunderts.
Dazwischen und danach bis 1921 war das Burgenland ungarisches
Hoheitsgebiet.
Wie soll eine
derartige Entwicklung keine Spuren in regionalen Ess- und Trinkkulturen
hinterlassen? Durch die vielen Krisenzeiten über Jahrtausende hindurch war
die burgenländische Küche eine
"Küche
für arme Leute". Hirse und Gerste waren lange
Zeit Hauptnahrungsmittel. Auch heute weist die hiesige Küche eine starke
Orientierung an Getreide auf. Typische Gerichte sind "Eiergersteln"
oder "Farfeln" aus
Eintropfteig. Charakteristisch für die regionale Küche sind auch
Hülsenfrüchte aller Art. Linsen und Bohnen sind zwar
zur Rarität geworden, doch der
Bohnenstrudel zeigt die Wurzeln auf.
Spinat-, Karotten- oder Pilzstrudel,
Fleisch- und Leberstrudel, oder eher süß in
Form von Apfel-, Mohn-, Trauben- und
Erdbeerstrudel sind nur einige der unendlich vielen
Varianten der weiterentwickelten Strudelkultur.
Typisch sind
auch Bohnen- oder Kartoffelsterz
aus geröstetem Weizenmehl oder Grammelpogatschen,
ausgestochene bei starker Hitze gebackene Teigscheiben aus einer Mixtur
von Mehl, Grieben, Schmalz, Wein, Rahm, Kümmel & Salz.
Im Burgenland
hat die Landwirtschaft große Bedeutung: 49,8 % der Landesfläche werden
land- bzw. forstwirtschaftlich genutzt und 15 % der burgenländischen
Bevölkerung sind in diesem Wirtschaftszweig tätig. Neben dem
Wein- und Obstbau, wird
regionales Gemüse
hoch geschätzt. Geflügelzucht,
vor allem Gänse, sind Grundlage für köstliche regionaltypische Gerichte.
Jüdische Einflüsse widerspiegeln sich in der "Jüdischen Hühnerleber" - ein
Art Hühnerpastete mit hohem Knoblauchanteil.
Fogás (Zander),
Karpfen und
Hecht bereichern die Küche. Die
paprizierte Fischsuppe "Halászlé", das Letscho oder die Somloer Nockerln
mit Schokolade und Schlagobers haben ihren Ursprung im östlichen Ausland.
Der Einfluss der pannonischen Küchen aus Ungarn ist vorhanden, doch die
Burgenländer verfügen wie hier ersichtlich durchaus über eine
eigenständige Landesküche. Sicherlich sind
Szegediner Gulasch und
Zigeunerspieß anzufinden.
Einzelne
initiative Gastronomen und Wirtshauskulturen wie die Dorfwirte oder die
Schmankerlwirte entwickeln gemeinsam mit der Landwirtschaft - das
kulinarische Profil des Landes weiter. Dem kommt entgegen, dass bäuerliche
Familien in Zusammenarbeit mit dem regionalen Gewerbe immer mehr heimische
Fleischspezialitäten, besondere Käse, Teigwaren, edle Brände, Obst- &
Taubensäfte erarbeiten.
Bundesland Burgenland
Hauptstadt:
Eisenstadt
Fläche: 3.966 km²
Einwohner: 278 000
Lage: Das Burgenland
grenzt im Westen an die beiden österreichischen Bundesländer
Niederösterreich und Steiermark, im Nordosten an die Slowakei, im Osten an
Ungarn und im Süden an Slowenien. Die Nord-Süd-Ausdehnung des Burgenlandes
beträgt 166 km, die geringste West-Ost-Ausdehnung bei Sieggraben nur 5 km.
Landschaft: Das
nördliche Burgenland wird vom Übergang der Alpenausläufer, dem Leitha- und
Rosaliengebirge, zur Ungarischen Tiefebene mit dem Neusiedler See,
Mitteleuropas einzigem Steppensee, geprägt. An den Hängen des
Leithagebirges wie auch rund um den Neusiedler See erstrecken sich große
Rebflächen. Typisch im mittleren Burgenland sind bewaldete Riedel und
Terrassen mit breiten Muldentälern. Das südliche Burgenland ist erfüllt
von lang gestreckten Höhenzügen, mit breiten Tälern.
Bevölkerung: Das
demographische Burgenland ist sehr vielfältig. Noch heute gehören etwa 12
% der Bevölkerung nationalen Minderheiten an. Die Kroaten (7 % der
Gesamtbevölkerung) leben in eigenen Dörfern wie in Kukmirn (Sprachinseln)
über das gesamte Burgenland verteilt, während sich die Magyaren (2% der
Gesamtbevölkerung) hauptsächlich auf den Bezirk Oberwart im südlichen
Burgenland konzentrieren. Auch Sinti und Roma sind hier ansässig.
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