Zeig mir, wie du grillst, und ich sage dir, wer du bist

Was macht die Faszination am Grillen aus? Ist es die Cowboy-Romantik oder werden dabei einfach unsere Urinstinkte geweckt? Denn immerhin versammelten sich schon unsere Vorfahren in grauen Zeiten rund um das Lagerfeuer, um das erlegte Wild zu verspeisen. Heute steht der Spaß im Vordergrund, aus der Pflicht wurde die Kür. So haben sich verschiedene Grilltypen herausgefiltert. — Lesen Sie, schmunzeln Sie und finden Sie heraus, welcher Grilltyp Sie sind.

Ob Lagerfeuerromantik am Holzkohlengrill oder kulinarische Experimente am Elektrogrill:
Grillen ist nicht gleich Grillen. Bei kaum einer anderen Art des Kochens kommen die unterschiedlichen Persönlichkeiten so zur Geltung wie beim Kampf mit dem Feuer. Denn beim Grillen geht es oft nur in zweiter Linie ums Essen selbst.

Es ist vielmehr ein gesellschaftliches Erlebnis, in dessen Zentrum der Chef des Abends steht: der Grillmeister

Nach wie vor ist Grillen fest in männlicher Hand. Bei mehr als zwei Drittel der Grillfeste steht ein Mann hinter dem Rost. Selbst dann, wenn seine Kochkünste im Normalfall nicht über die Zubereitung eines Spiegeleis hinausgehen. Doch egal, ob Mann oder Frau — die fünf Grilltypen finden sich bei beiden Geschlechtern.


Der Redenschwinger

Er weiß alles übers Grillen. Theoretisch. Denn im Gegensatz zum Grillmeister bleibt es beim Redenschwinger beim Erzählen. Seine Schilderung von den Rosmarinfilets in Honigbeize treibt den Gästen das Wasser im Mund zusammen. Die Erzählung von opulenten Grillabenden in den 90er Jahren läßt die Gäste suchenden Blickes auf die Kühlbox niederstarren. Doch die bleibt vorerst noch geschlossen.

Der Redenschwinger sitzt neben dem noch kalten Grill und klärt sein Publikum im schönsten Anglerlatein über von ihm vollbrachte kulinarische Kunststücke auf. Doch den Taten folgen lange keine Handlungen. Dafür fließt das Bier in Strömen, die Geschichten werden immer haarsträubender, und endlich erbarmt sich der Redenschwinger und heizt den Grill an.

Das Ergebnis seiner Kochkünste kommt zwar nicht annähernd an die versprochenen Genüsse heran, aber die Gäste sind mittlerweile schon so hungrig und betrunken, daß es keinem mehr auffällt.


Der Fleischtiger

Den Spruch „weniger ist mehr“ kennt er nicht. Auf dem Anrichtteller türmen sich Berge von rohem Fleisch. Er lebt in ständiger Angst jemand könnte hungrig das Fest verlassen. Und da er die einzelnen kulinarischen Vorlieben der Gäste nicht immer genau kennt hat er von allem etwas gekauft.

Den ganzen Nachmittag hat der Fleischtiger damit verbracht, das Fleisch vorzubereiten und zu marinieren. Für die Zubereitung der Salate ist da nicht mehr viel Zeit geblieben. Aber für Vegetarier hat er ohnehin nur ein verächtliches Lächeln übrig. „Greift zu, heute lassen wir es uns so richtig gutgehen!“ begrüßt er die Gäste.

Die Grillkohle ist schon fertig für das Grillgut, wenn die ersten Besucher kommen, damit keine Zeit für das große Fressen verlorengeht. Die Qualität des Fleisches ist gut die Menge noch besser.


Der Elektrogrill-Fan

Lagerfeuerromantik kennt der Elektrogrill-Fan nicht. Eigentlich hält er vom Grillen ohnehin nicht allzuviel, und es will ihm nicht in den Kopf, warum er im Garten mit Feuer hantieren sollte, wenn in der Küche die neuesten Elektrogeräte zur Verfügung stehen. Aber er weiß, daß die meisten Menschen eine für ihn unerklärliche Vorliebe fürs Grillen haben.

Als Kompromiß hat er sich daher einen Elektrogriller gekauft, auf dem er seine Kochexperimente startet. Gegrillte Melonen bietet der Elektrogrill-Fan ebenso an wie gegrillte Rindsnieren mit Koriander. Das Verlängerungskabel für die Steckdose reicht genau bis in den Schatten der millimetergenau getrimmten Hecke.

Einen Vorteil aber hat das Ganze: Weder Haare noch Gewand stinken am Ende des Abends nach Rauch.


Der Einheizer

Ihm geht es stärker um das Spiel mit dem Feuer als um das Grillen an sich. Im Feuermachen kann ihm nicht so schnell einer etwas vormachen. Chemische Anzünder kommen ihm nicht ins Haus oder den Garten. Mit Späne und Zeitung zur Grillkohle läßt sich ein ebenso gutes Feuer entfachen.

Beim Grillen selbst zeigt der Einheizer jedoch weniger Begeisterung als beim Feuermachen. Wahllos kommen irgendwelche Fleischstücke auf den Rost dann wendet sich der Einheizer wieder der Glut zu. Während die Gäste gemütlich im Schatten sitzen, stochert er mit hochrotem Kopf unentwegt in der Glut herum.

Irgendwann bemerkt er dann das verkohlte Fleisch auf dem Rost und kratzt es schnell von den Gitterstäben. „Essen ist fertig!“ ruft er seinen Gästen zu und fügt eilig hinzu:
„Ich leg noch einmal Kohle nach!“ und dann beginnt alles von vorne.


Der Grillprofi

Er ist ungeschlagen in Sachen Grillen. Mit Blasebalg, Thermometer und fachkundigem Wissen sorgt der Grillprofi für kulinarische Gaumenfreuden, die jeden Fünf-Sterne-Koch vor Neid erblassen lassen. Wer eine Einladung von einem echten Grillprofi bekommt der darf sich freuen. Hier wird nicht einfach drauflos gegrillt, sondern es wartet ein von A bis Z durchkomponiertes Menü.

Der Grillprofi verwöhnt seine Gäste, als wären sie seine eigenen Kinder und als Höhepunkt zaubert er noch einen französischen Apfelkuchen aus dem Backbereich seiner Kombianlage.

Gelernt hat er das alles im jahrelangen Studium der Grillwissenschaft, geübt in aufwendigen Selbstversuchen. Sein Grillzubehör ist perfekt auf die unterschiedlichsten Anforderungen angepaßt; die Grillstäbe seines Grills schön dick, damit das Fleisch sofort beim Hinauflegen seine Poren verschließt und schön zart bleibt. Nichts bleibt dem Zufall überlassen