Vorratshaltung und Hausapotheke

Vorratshaltung lohnt sich immer

Herr und Frau Österreicher sind — nimmt man alles in allem — nicht besonders vorratsbewußt. Und von dem Wort Krisenvorsorge werden die meisten geradezu geschockt. Erst die Tragödie von Tschernobyl hat erkennen lassen, dass eine kluge Vorratshaltung wichtig ist. Sie ermöglicht nämlich in Krisensituationen — und hier muss es absolut nicht ein Störfall a la Tschernobyl sein — ein leichteres Überstehen der Situation. Es genügt schon, wenn beispielsweise in unseren Gebirgstälern durch extreme Witterungsbedingungen Straßen- und Bahnverbindungen unterbrochen werden — und dementsprechend Lebensmittelzulieferungen auf einige Tage nicht möglich sind —‚ um Engpässe hervorzurufen.

Eine richtige Vorratshaltung umfaßt daher die wichtigsten Grundnahrungsmittel, die ohne Kühlschrank aufbewahrt werden können, wie Mehl, Zucker, Grieß, Reis, Teigwaren, Erdäpfel, aber ebenso Öl, Mineralwasser, Zwiebeln, Marmelade, Knoblauch, Apfel, Essig. Dazu eine Reihe von Konserven, dem individuellen Geschmack angepaßt, auch Geselchtes, Milch in Haltbarkeitspackungen, Trockenfrüchte. Alles in einer Gesamtmenge, die mindestens acht, aber besser noch 14 Tage je Haushalt überstehen lassen.
Bei den Zivilschutzverbänden liegen übrigens Listen jener Waren auf, die bei richtiger Krisenvorsorge nicht vergessen werden sollen. Da diese Lebensmittel keinesfalls „umsonst“ gekauft werden, sondern jeweils mit neuen getauscht werden, sind sie im Grund genommen nichts anderes als vorgezogene Haushaltseinkäufe. Daß sie überdies bei unvorhergesehenen Gästen rasch herangezogen werden können, ist ein weiteres Plus. Man hat errechnet, daß eine Vorratshaltung, die auch dem natürlichen Krisenvorsorgegedanken entspricht, eine einmalige Aufwendung von ungefahr € 70,— erfordert.

Neben den Lebensmitteln aber ist - und das wird nur allzuleicht vergessen — auch dafür vorzusorgen, daß Verbandszeug, Heilsalben und mindestens je eine Packung von Medikamenten vorrätig ist, die der einzelne benötigt. Sind Haustiere vorhanden, empfiehlt es sich, jeweils eine größere Packung von Trockenfutter in Reserve zu halten. Der ideale Aufbewahrungsort für all dies wäre eine eigene Vorratskammer, die es aber in den wenigsten Haushalten — meist auch nicht in Einfamilienhäusern - gibt. Sind Schutzräume vorhanden, so gehören sie dort gelagert, sonst einfach möglichst luftig, dunkel und so zugänglich, dass sie in einem ernsten Krisenfall griffbereit sind.
Zur echten Krisenvorsorge gehört auch ein gewisser Vorrat an Brennmitteln, weil etwa bei Absperrung von Gas und Strom selbst die besten Vorräte nichts nützen, da ein großer Teil von ihnen nicht verarbeitet werden kann. Man wird da her wohl oder übel auch auf einen Spiritusbrenner oder ein kleines Öfchen zurückgreifen können müssen, wie sie unseren Eltern und Großeltern noch aus dem Zweiten Weltkrieg bekannt sind. Auch Batterien für Radios und Taschenlampen gehören zur Vorsorge.


Der beste Rat ist Vorrat

Der wichtigste Teil der Vorsorge für Krisenzeiten ist ein rechtzeitig angelegter Vorrat. Ein Vorrat schafft Sicherheit bei Natur— und Umweltkatastrophen, aber auch bei internationalen Ereignissen — die zu Versorgungsengpässen führen können — und nicht zuletzt bei Strahlenunfällen.

Bedenken Sie bitte:

80% der Strahlenbelastung erfolgen durch die Nahrungsmittelaufnahme. Ein Lebensmittelvorrat für 14 Tage kann diese Belastung deutlich verringern. Private Vorräte geben den Behörden Zeit, überlegt zu reagieren und die Versorgung mit unbelasteten Lebensmitteln zu sichern.

Lebensmittel
(Mindestbedarf: eine Person für zwei Wochen)

1 kg Mehl
1 kg Reis
1/2 kg Teigwaren
1 kg Zucker
1/4 kg Honig,
Marmelade
1 kg Brot (verpackt)
1/2 kg Knäckebrot,
Kekse
2 kg Kartoffel
1/4 kg Speck

1/4 kg Dauerwurst
1/2 kg Fleischkonserven
1/4 kg Fischkonserven
1/2 kg Hülsenfrüchte
10 Stk. Eier
1/2 kg Kondensmilch
6 Stk. Schmelzkäse
1/2 l Speiseöl
1/4 kg Butter,
Margarine
 

Nicht vergessen:
Spezielle Vorräte für Kleinkinder und Säuglinge sowie Nahrungsmittel für diäthaltende Personen

Getränke
Mineralwasser, Obstsäfte, Tee (Der Mensch benötigt 2 bis 3 Liter Flüssigkeit pro Tag)

Hausapotheke
Verbandmaterial, Wundpflaster, Mullbinden, schmerzstillende und verdauungsregelnde Medikamente, Fieber— und Grippemittel, Wunddesinfektionsmittel und Medikamente, die regelmäßig eingenommen werden müssen

Körperpflege und Hygiene
Seife, Zahnpaste und -bürste, Haarshampoo, Waschmittel, Toilettenpapier, Desinfektionsmittel

Sonstiges im Haushalt
Kerzen, Zündhölzer, Batterieradio, Taschenlampe, Batterien, Dosenöffner, Gaskocher, Petroleumlampe, Brennstoffe, Wertsachen und Dokumente
 


Die Hausapotheke

Für die Erstversorgung von Verletzungen und leichten Erkrankungen sollte die Hausapotheke in keinem Haushalt fehlen. Verbandsmaterial für die Erste Hilfe, Mittel für die Hauskrankenpflege und die vom Arzt verschriebenen Medikamente gehören zur Standardausrüstung.
 

Verbandsmaterial:

3 Verbandmull
6 Mullbinden,
verschieden lang
1 elastische Binde
2 Momentverbände
1 Rolle Heftpflaster
1 Metallwundverband
1 Packung Pflaster—Strips
1 Dreiecktuch
Heftpflaster mit Wundkissen
Verbandwatte
Verbandklammern
Sicherheitsnadeln

Arzneimittel
Schmerzstillende Tabletten
oder Pulver
Mittel zur Haut- und Wunddesinfektion
Tabletten gegen Durchfall
Tabletten gegen Halsschmerzen
Abführmittel
Kamillentropfen
Augentropfen
Baldriantropfen
Wasserstoffperoxyd 3 %
Alkohol 7 %
Wundbenzin
Wund und Heilsalbe
Jod-Tabletten
(Kaliumjodid—Tabletten)
Vom Arzt verschriebene
Medikamente

Sonstiges
Fieberthermometer
Stumpfe Verbandschere
Pinzette, Lederfingerlinge
 

Tipps und Ratschläge für die Vorsorge
Die Hausapotheke wird am besten — dem unbefugten Zugriff von Kindern entzogen - versperrbar in einem Wandschrank untergebracht.

Wie jeder Vorrat soll auch die Hausapotheke regelmäßig ergänzt und kontrolliert werden. Die meisten Medikamente sind nur begrenzt haltbar. Daher Verfalldatum beachten und in Zweifelsfällen Arzt oder Apotheker befragen.

Alte Medikamente gehören nicht in den Hausmüll, sondern einer Apotheke oder Problemstoff-Sammelstelle der Gemeinde zur fachgerechten Entsorgung übergeben.

Weitere Informationen zur Hausapotheke erhalten Sie von Ihrem Arzt oder Apotheker.