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Wild
auf Hirsch und Hase
Der Genuß von Wildfleisch war
jahrhundertelang ein Privileg der Adligen.
Heute steht diese Spezialität jedem zur
Verfügung und wird frisch oder tiefgekühlt
in vielen Fleischer-Fachgeschäften
angeboten.
Für viele
Feinschmecker ist der Herbst die schönste
Jahreszeit.
Dann sind nicht nur die Früchte aus Wald
und Feld reif , dann beginnt auch die
Jagdsaison.
Zum Glück brauchen Sie nicht selbst auf
die Pirsch zu gehen, wenn Ihnen der Sinn
nach Hirsch, Reh, Hase oder Wildschwein
steht, denn immer mehr
Fleischer-Fachgeschäfte bieten auch
Wildbret an.
Häufig ist das Fleisch bereits fix und
fertig zubereitet, mariniert und/oder
gespickt.
Wenn das nicht der Fall ist, müssen Sie
das Fleisch vor der Zubereitung sorgfältig
von den feinen Häuten befreien, die das
Muskelfleisch umgeben.
Außerdem entfernen Sie möglichst alle
Sehnen und das Fett, das den Geschmack
beeinträchtigen würde. Das Fett können Sie
unbesorgt abschneiden.
Wildbraten ist zwar sehr mager und
trocknet beim Braten leicht aus, aber da
das Fleisch gemäß langjähriger
Küchentradition gespickt wird, schaffen
Sie ja einen Ausgleich.
Zum Spicken
nehmen Sie fetten geräucherten oder
ungeräucherten Speck.
Geräucherter Speck ist salzhaltig — das
müssen Sie beim Würzen beachten.
Wildbret sollte möglichst nicht
durchgegart, sondern noch rosa verzehrt
werden.
Bei jeder Wildart haben junge Tiere
zarteres Fleisch als ältere.
Besonders zart sind Rücken und Schulter.
Wenn Sie das Fleisch einige Tage
marinieren, wird es noch mürber und
verliert ein wenig von seinem
Wildgeschmack.
Für die
Marinade — auch Beize genannt — nehmen Sie
Rotwein, Weinessig, Zitronensaft,
Buttermilch oder Sauermilch.
Durch die Zugabe von Gewürzen und Kräutern
erzielen Sie einen besonders pikanten
Geschmack. |
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Hirsch für die „Herrentafel“
Jahrhundertelang wurde er als „Braten der
Reichen“, als „Zierde der Herrentafel“
bezeichnet:
Der Hirsch
galt als das edelste Wild, das auf keiner
Fürstentafel fehlen durfte.
Allerdings wurden ausschließlich bestimmte
Teile serviert, denn nur der sogenannte
„Ziemer“, der Teil zwischen der „Blume“ und
den kurzen Rippen, schien für den feinen
Braten geeignet. Über die Keule, den
Lenden-, Jungfern- oder Mehrbraten urteilen
etwa Habs & Rosner in ihrem berühmten
„Appetit-Lexikon“ hingegen abschätzig, dass
darauf „weniger Verlass“ sei; und der Rest
des Hirsches galt überhaupt nur als
Kochfleisch. Das heißt, man fand nur den
Rücken des Hirsches und die sogenannten
„Geilen“ — die Hoden, die als Ragout
bereitet wurden — für würdig, auf der
Herrentafel serviert zu werden.
Als
Leckerbissen galten einst übrigens die
Hirschkolben: Das sind die weichen, zarten,
um Johannis etwa handhohen Stangen des
jungen Hirschgeweihs, die blanchiert, in
kaltem Wasser ausgelaugt, in Wasser
weichgekocht, gehäutet, in Scheiben
geschnitten und mit Trüffeln und
Zitronenschalen in Butter angeröstet wurden.
Zuletzt wurden sie mit Fleischsuppe
aufgegossen, gekocht und als Ragout
serviert.
Und wie bereitet man den Hirsch zu, nachdem
er meist einige Tage gebeizt wurde? Der
„Ziemer“, also der Rücken bzw. das
Sattelstück vom Jungtier, wird gern im
ganzen gebraten; ausgelöst wird er als
Hirschsteak, Hirschfilet und Hirschschnitzel
verwendet, das auch vom Schlegel genommen
werden kann. Die Keule wird ausgelöst und zu
Schnitzeln geschnitten; die ausgelösten
Teile des Schlegels ergeben den
Hirschbraten. Der Hirschlendenbraten wird
aufgeschnitten, plattiert und als Schnitzel
oder Hirschmedaillon verarbeitet. Das
Vordere des Hirsches, also Blatt, Hals und
Brust, wird für Kleingerichte und Ragouts —
den sogenannten „Pfeffer“ — verwendet.
Die Liste
feiner Hirschgerichte ist endlos lang: Zu
Hause zubereiten kann man viele dieser
Gerichte problemlos. So etwa
Hirschgeschnetzeltes mit Preiselbeersauce
und Schupfnudeln, aber auch Hirschragout
oder gebratenen Hirschrücken mit
Rotweinzwiebeln. |
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Was das
Reh alles bietet
Einst war Wild
fast nur auf den Tafeln reicher Bürger und
vor allem des Adels zu finden, der das
Jagdrecht ausübte. Wild, und da vor allem
Reh und Hirsch, war die Krönung üppiger
Festtafeln, die mit ausgestopften Tieren,
Früchten und Girlanden auf prachtvollem
Silbergeschirr im wahrsten Sinne des Wortes
„zur Schau gestellt“ wurden. Und schon im
frühen Mittelalter merkten
Feinschmecker-Mönche an, daß unter den
„wilden“ Tieren des Waldes auch keines
gesünder sei als das Reh.
Wie sich die Zeiten geändert haben: Heute
kann jeder beim Fleischhauer oder in
Wild-Spezialitätenläden kaufen, was ihm
schmeckt — Reh- und Rotwild, Schwarzwild,
also Wildschweine, Hasen und Kaninchen und
natürlich das zahlreiche Wildgeflügel. Aber
auch in den Geschmacksfragen hat sich beim
Wild einiges geändert: Der einst von den
berühmten Kochbuchautoren gepriesene
„Haut-goüt“ des Wildes, also der zarte bis
„strenge“ Fäulnisgeruch, der bei der
Lagerung durch Zersetzung des Eiweißes
entsteht, ist heute längst nicht mehr
gefragt.
Heute wird das
Fleisch junger Tiere bevorzugt, das nur vier
bis sechs Tage „in der Decke“ (im Fell),
aber „ausgebrochen“, das heißt, bei
entfernten Innereien und Därmen, abhängen
muß, bis das eiweißreiche, fettarme Fleisch
reif und mürbe geworden ist (man erkennt es
an seinem hellen, zarten Rot).
Wild schmeckt am besten, wenn es nach der
Reifezeit frisch zubereitet wird. Außerdem
kann der Verbraucher dank der modernen
Kühltechnik Wild heute zu jeder Jahreszeit
als frischwertiges Fleisch genießen. Das
feinfaserige, rosa Fleisch der Jungtiere
wird ohne Beize verarbeitet; das dunkle,
grobfaserige Fleisch älterer Tiere wird
hingegen aus Geschmacksgründen mariniert.
Für die
Speisekarte ist vom Reh vieles zu verwerten:
Vom Rücken bis zu Rehleber und -nierndln Der
Rücken und die beiden Keulen (Schlegel)
ergeben den feinen Rehbraten; man schneidet
daraus Filets — köstlich mit gefüllter
Zwiebel! —‚ Steaks — etwa mit Specklinsen!
—Schnitzel und Medaillons. Schultern, Brust
und Halsfleisch werden zu Ragouts,
Kleingerichten, etwa Reh-Szegediner, und
Farcen, etwa für Pasteten, verwendet.
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