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Mag sein, daß die Liebe schon mit dem ersten Tiroler
Knödel durch den Magen geht. Immerhin scheint er so gewichtig innerhalb der
Tiroler Küche, daß ihm der Volksmund eine Sage gewidmet hat:
Im Tiroler Städtchen Hall soll dereinst eine Horde Soldaten zu später Stunde im
Gasthof „Zu den drei Lilien“ eingekehrt sein und unter bösen Drohungen Wein und
eine warme Mahlzeit gefordert haben. Die braven Wirtsleute versuchten
vergeblich, den zornigen Gesellen klarzumachen, daß die Vorräte im Hause durch
Kriegsnot und Plünderungen knapp geworden seien. Doch es half alles nichts, die
Wirtin mußte in die Küche eilen. Not macht bekanntlich erfinderisch, und so
mischte die gute Frau Brotreste, Mehl, Speck, Wurst, Milch und Eier, hackte
Petersilie hinzu und formte kleine Kanonenkugeln daraus, um die Kriegsknechte
milde zu stimmen.
Die dampfenden Knödel fanden tatsächlich großen Anklang
bei den hungrigen Soldaten, und bald war das Rezept im ganzen Land bekannt...
Tatsächlich sind die Knödel bereits seit über 3000 (!)
Jahren bekannt: Untersuchungen von Speiseresten aus Pfahlbausiedlungen am
Ledrosee ergaben, daß bereits in der Jungsteinzeit gewölbte Fladen aus Weizen-
und Gerstenmehl, gefüllt mit Obst oder Fleisch, verzehrt wurden, die durchaus
mit unseren Knödeln verwandt zu sein scheinen. Heutzutage besteht der Tiroler
Knödel vorwiegend aus Weizenbrot, Weizenmehl und Speck.
Früher galt dies als
Sonntagsspeise, an Werktagen machte man sie aus Roggen-, Gersten oder Hafermehl.
Der bäuerliche Speisezettel sah den Knödel überhaupt nur an Dienstagen und
Donnerstagen vor (die heute noch in manchen Gebieten Tirols als „Knödeltage“
gelten).
Welche Bedeutung dem Knödel im bäuerlichen Haushalt zukam, läßt sich
auch daran ersehen, daß nur an Knödeltagen jeder seinen eigenen Teller auf dem
Tisch hatte, fast alle anderen Mahlzeiten wurden gemeinsam aus einer großen
Pfanne oder Schüssel gelöffelt.
Heute zählen die Knödel in allen Variationen
(Speckknödel, Fleischknödel, Leberknödel usw.) zu den herzhaften Genüssen der bodenständigen
Tiroler Küche, die sich Urlaubsgäste wie Einheimische gleichermaßen gut
schmecken lassen.
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