Das "schwarz
G'selchte", der Speck aus der Räucherkammer kommt einem
kulinarisch Interessierten als erstes in den Sinn, wenn er an Tirol denkt.
Tiroler Knödel
und "Tiroler Gröschtl" - mit Fleisch,
Wurst oder Speckzugaben - in der Pfanne mit Zwiebeln zubereitet und
Majoran gewürzt, gelten als hiesiges Nationalgericht.
Ausgelöst durch den
Fremdenverkehr der 60er bis 80er Jahre ließ die regionale Authentizität in
den heimischen Küchen stark nach, und ab Ende der 80er Jahre besinnen sich
die Tiroler wiederum auf die Wurzeln des kulinarischen Tirols. Mit
Ziegenkas in der
Brennsuppe, Pressknödel,
Schliachtnudeln, Tirggenribbler
(Maissterz),
Erdäpfelpaunzen
oder Osttiroler Schlüpfkrapfen
mit Butterschmalz erfährt die alte Tiroler Bauernküche eine Renaissance.
Tourismus und Landwirtschaft
rücken wieder enger zusammen und davon profitieren schlussendlich
Heimische wie Gäste. Dass Tirol in der internationalen Küche integriert
ist, beweist der Begriff "à la Tyrolienne" auf den Speisekarten der Welt.
Einflüsse von außen prägten Tiroler Küche nicht nur in der Vergangenheit.
Waren es die früher die Handelsreisenden oder gar die verschiedenen Heere,
welche durch eine Verbindungsstraße durchs Land zogen, so ist es in
neuerer Zeit der Tourismus, der einen Einfluss auf die Tiroler Eß- und
Trinkgewohnheiten ausübt. Auch die Nähe zur italienischen Küche ist
nachvollziehbar. Und doch, die Kulinarik wurzelt heute wieder stärker in
den kleinen Ebenen der Regionen und Dörfer wie auch in den Rohprodukten
und Bräuchen bäuerlicher Familien.
Tiroler Erbhöfe halten in vielen
Belangen die traditionelle Kultur aufrecht. Die Spitzengastronomie und die
Freunde bewusster Ernährung besinnen sich bei Rindfleisch
auf die vielen Vorzüge von Tiroler Grauvieh
oder Tuxer Ochsen,
Tannheimer Berglamm und Schwein aus
artgerechter Tierhaltung von Tiroler Höfen. Geräuchertes
in allen Variationen, von Speck, Schinken bis hin zur
Kaminwurzn, ist aus der Kulinarik des Landes nicht wegzudenken.
Wild aus Tiroler Bergen steht ebenso hoch im Kurs.
Achenseesaiblinge und Forellen
finden sich in der Fischküche ganz oben.
Handwerklich hergestellte
Käse in verschiedenen Variationen erleben im Land eine
verstärkte Nachfrage. Darunter ist der echte Tiroler Graukäse,
der nach einem alten Bauernrezept von einzelnen Käsemachern mit saurem
Topfen (Quark) zubereitet wird. Mit Essig, Öl und Zwiebeln serviert gilt
er als komplette Mahlzeit. Als Nachspeise werden wieder die "Nigelen"
oder "Paunzen", schmalzgebackene Krapfen mit Mohn
und Honig serviert. Lienzer Schnitten,
Oberinntaler Waffeln oder zahlreiche
Lebkuchenvariationen sind wieder "in".
Tiroler Schnäpse wie
Obstler,
Enzian oder Vogelbeere
fehlen natürlich auch nicht. In den Bereichen Obst und Gemüse oder frische
Kräuter werden immer wieder Innovationen mit eigenen Ressourcen
entwickelt. So entstehen, Säfte, Moste,
Schnäpse, Marmeladen,
Kräutermischungen. Bauernbrote sind traditioneller
Bestandteil bei jedem Essen. Bei Getränken halten sich die Tiroler an den
Gerstensaft, das Bier. Weine gibt es in Tirol kaum, die werden aus dem
durch die Geschichte abgetrennten Südtirol "importiert".