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Kulinarisches Wien
Ein
Buch reicht kaum aus, um die Kulinarik Wiens, die Eigenheiten und das Umfeld
zu beschreiben. Die Wiener Küche und die Ess- und Trinkkulturen gehören zu den berühmtesten
kulinarischen Traditionen der Welt. Über Jahrhunderte gewachsen und geformt
durch die österreichische Geschichte ist das kulinarische Wien ein
einzigartiger Schmelztiegel abwechselnder Einflüsse mannigfaltiger Kulturen.
Unzählige Speisen
und Getränke wie die einzelnen Wiener kulinarischen Gewohnheiten verfügen
über eine Geschichte, mit der man Archive füllen kann. Das authentische
"Wiener Kulinarium" gibt es kaum ohne historische und kulturelle Zutaten
oder der Würzung mit für Wien eigentümlichen Ess- und Trinkgewohnheiten. Der
Erfolg der Wiener Küche liegt in der Vielfalt. Die abwechslungsreichen
Rezepte sind Produkt des ehemaligen Vielvölkerstaates Österreich. Da die
kaiserlichen Herrschaften gut und gerne "tafelten", reisten Rezepte aus
vielen Teilen Europas - vor allem aus dem Süden - nach Wien. In jener Zeit,
als das Österreichische Kaiserreich vom Bodensee bis in die Karpaten, von
der Elbe bis zur Drina reichte, gab es zudem familiäre Verbindungen des
Kaiserhauses in die weite Welt. Unter dem Motto: "Tu felix Austria nube"
vermählten die Adeligen sich nicht nur mit Herrscherhäusern der Welt,
sondern verbanden auch kulinarische Sitten und Gebräuche verschiedener
Regionen
Die Großstadt
Wien ist noch stark von der Landwirtschaft geprägt. Knapp die Hälfte der 415
km² sind Grün- und Freiflächen, ein Drittel davon wird landwirtschaftlich
genutzt. Obwohl die Landwirtschaft in jüngster Zeit stark dezimiert wurde,
gibt es heute in Wien immerhin noch fast 900 Landwirtschaftsbetriebe, die
etwa 68 km² bewirtschaften, ca. 500 sind Haupterwerbsbetriebe.
Die meisten Landwirte sind Erwerbsgärtner und Weinbauern - nur etwa 130
betreiben Ackerbau. Landwirtschaftliche Nutztiere sind fast zur Gänze aus
der Stadt verschwunden - mit Ausnahme der Schafe, einigen Legehennen und
Schweinen.
Wien ist auch Gemüsehauptstadt: Mehr als die Hälfte aller Gemüsegärtner
Österreichs sind hier beheimatet. 301 Gärtner bauen im Stadtgebiet auf 430
Hektar Gemüse an. Gurken, Paradeiser (Tomaten), Häuptelsalat und Paprika
werden vorwiegend in modernen Glashäusern und Folientunneln gezogen.
Zusätzlich werden auf Äckern mit insgesamt 180 ha Petersilienwurzeln,
Karotten, Häuptelsalat, Bummerlsalat; Fisolen, Karfiol, Radieschen,
Salat-Gurken und Spinat als Feldgemüse angebaut.
Im Stadtgebiet
werden pro Jahr mehr als 50.000 Tonnen Gemüse produziert. Das entspricht
etwa einem Drittel der in Wien verbrauchten Gemüsemenge. Aus dem Umland wird
Wien zusätzlich mit einem breiten Angebot von landwirtschaftlichen Produkten
versorgt. Diese "Nahversorgung" der Landwirtschaft formt natürlich die
Wiener Küche mit. Einen unbeschreiblichen Kult haben die Wiener rund um
Rindfleisch aufgebaut. So gibt es eine spezielle "Wiener Teilung" für
Rindfleisch, nach der das Fleisch in 36 Klassen eingeteilt wird. Gekochtes,
gedünstetes, geschmortes wie gebratenes Rindfleisch hat in der Weltstadt
Wien wahrlich immer Hochsaison. Tafelspitz & Co - der berühmte Tafelspitz,
der kleine Kruspel- oder Federspitz, das gedünstete Ochsenschlepp oder das
Meisel - sind besonders beliebt. Die Kultur der Suppeneinlagen wie Fritaten,
Kaiserschöberln, Leberknödel, Grießnockerln, Nudeln, Fleischstrudel oder
Markknödel ist hier heimisch und nicht importiert. Bei den Rostbraten
stechen Zwiebel- oder Esterházy-Rostbraten hervor. Natürlich darf in Wien
das Gulasch nicht fehlen, dessen Wurzeln in Ungarn liegen. Außer Frage
steht, dass sich die klassische "Beilagenküche" in Wien entwickelt hat.
Semmelknödel, Serviettenknödel, Erdäpfelpüree oder eingemachtes Gemüse mögen
ihren Ursprung wohl in anderen, ländlicheren Regionen haben, wie der
Gastrokritiker Christoph Wagner in seinem Buch "Wo isst Österreich"
aufzeigt. Während man sie jedoch dort meist nur als eigenständige
Hauptmahlzeit einzunehmen pflegte, entwickelte sich von Wien aus die - immer
noch öster reich-typische - Sitte, kein Fleisch- oder Fischgericht ohne
Beilagen zu servieren. Viele weitere süddeutsche, böhmische, ungarische,
kroatische, slowenische und italienische Einflüsse sind in der Speisekarte
Wiens zu finden. So wurde das berühmte Schnitzel von Feldmarschall Radetzky
aus Mailand mitgebracht und die Liwanzen aus Böhmen. Am beliebtesten sind
Fleisch- und Mehlspeisen, doch kann man sich auch auf das Süßwasserfisch
Angebot freuen, dass in Wien besonders gut ist. Auffallend ist die Qualität
des Wildes, welches man hauptsächlich im Oktober und November genießen kann.
Neben den
Wirthäusern und ihrem "Gabelfrühstück" hat auch das Kaffeehaus eine
eigenständige Imbisskultur entwickelt. Die Buffet- und Jausenkultur bei
Heurigen ist eher jüngeren Datums. Wein ist eines der Lieblingsgetränke,
einem "Pfiff" oder einem "Seidel" Bier heimischer Brauereien ist man nicht
abgeneigt.
Bundesland Wien
Österreichische Bundeshauptstadt
Fläche: 415 km²
Einwohner: 1,6 Millionen
Lage: im Nordosten Österreichs, gänzlich von Niederösterreich umgeben.
Landschaft: Die Stadt verdankt ihre überragende Stellung vor allem ihrer
Lage im Schnittspunkt mehrerer wichtiger Großlandschaften Europas (Donau-,
Alpen-, Sudeten- und Karpatenraum) und der sich hier kreuzenden
Hauptverkehrslinien Adria-Ostsee und Nordsee-Schwarzes Meer. Die Gunst der
Lage zeigt sich darin, dass kaum eine andere Hauptstadt über ein so großes
geschlossenes Waldgebiet an ihrem Stadtrand verfügt, das als Erholungsraum
dient. Der Westteil der Stadt reicht in den Wienerwald, der aus Flysch
(Kuppen und Rücken) besteht und innerhalb der Stadtgrenze seine höchste
Erhebung im Hermannskogel (542 m) hat. Nur südlich von Mauer treten auch
schärfere, an den Kalk gebundene Formen in Erscheinung. Das Stadtgebiet
erstreckt sich beiderseits der Donau, zum größten Teil auf dem rechten Ufer. |